Tiere und Pädagogik - eine Einführung

Ursprünge
Als Pionier der Entwicklung der Tiergestützten Therapie gilt der amerikanische Kinderpsychologe B. M. Levinson, der bereits um 1960 eher zufällig entdeckte, dass sein Hund in der Therapie eines zu behandelnden kontaktgestörten Kindes große Wirkung erzielte. Andere Wissenschaftler der USA haben diese Erkenntnis in den 70er-Jahren zum Anlass genommen, weitere Forschungen zu dieser Thematik einzuleiten. In der Folgezeit kam es in den englischsprachigen Ländern zu weiterführenden Untersuchungen und Studien, sodass wissenschaftliche Forschungszweige eingerichtet wurden.
Seit Anfang der 80er-Jahre hat sich auch in Deutschland das Interesse Einzelner entwickelt, die heilende und helfende Wirkung von Tieren in der Begegnung mit Menschen zu untersuchen. Ziel der Beobachtungen und Forschungen ist es herauszufinden, inwieweit Tiere in der Lage sind, durch ihre arteigenen Verhaltensweisen Menschen positiv zu beeinflussen, ihre Heilung zu beschleunigen oder ihren Alltag bewusster zu gestalten.

Zahlreiche Untersuchungen stellten heraus, dass besonders Menschen, die sich in einer schwierigen Lebensphase befinden, bedeutende psychologische und medizinische Vorteile aus der Gesellschaft von Tieren ziehen können. Infolge dieser Erkenntnis entstanden in den USA, England, Australien, Frankreich und schließlich auch in Deutschland u.a. Tierbesuchsdienste und Streichelzoos.

Der Einsatz des Tieres in Pädagogik und Therapie
Tiere in der pädagogischen und therapeutischen Begleitung sollen keine Therapie ersetzen, sondern Therapieformen unterstützen und erweitern helfen. Die in diesem Bereich eingesetzten Tiere bezeichnet man als Therapiebegleittiere, deren Aufgabe darin besteht, in Kontakt mit den Menschen zu treten, diese in ihren Lebensphasen zu begleiten und mit ihnen zu kommunizieren. Die eingesetzten Tiere wirken über ihre menschenzugewandte Art, über Anblick, Körperkontakt, Kommunikation und Interaktion. Innerhalb dieses Zusammentreffens von Mensch und Tier sind Tiere nicht die besseren Therapeuten, sondern stellen mit ihren wesenseigenen Qualitäten ein besonderes "Mittel" pädagogisch-therapeutischer Maßnahmen dar.

Bestimmend für die Erfolge des tierischen Einsatzes ist es, dass die Tiere unreflektiert auf die Menschen zugehen, egal, wie der Mensch beispielsweise gekleidet ist, aussieht, jung oder alt ist oder beispielsweise eine Behinderung hat. Das Tier nimmt den Menschen so an, wie er ihm begegnet. Dies ermöglicht eine offene und echt gemeinte Kontaktaufnahme zwischen Mensch und Tier. Das Tier verfolgt aber kein pädagogisches oder therapeutisches Ziel und wirkt daher nur durch den verantwortungsvollen und gezielten Einsatz der pädagogisch-therapeutischen Fachperson.
Innerhalb der Tiergestützten Pädagogik und Therapie haben inzwischen viele Tierarten ihren Einsatz gefunden und begleiten Besitzer, Therapeuten und Pädagogen regelmäßig zu ihren Einsatzorten.

Delfine, Pferde und Hunde sind wohl die inzwischen bekanntesten Therapiebegleiter. Den Ideen des Einsatzgebietes sind dabei nur wenige Grenzen gesetzt: Sie werden u.a. in Schulen, Kindertagesstätten, Kinderheimen, Behinderten(wohn)einrichtungen, in der Psychotherapie, im Krankenhausbereich, Gefängnissen und in Alten- und Pflegeheimen sowie in der Behandlung sozial- und verhaltensauffälliger Kinder und Jugendlicher eingesetzt. Ständig werden neue Einsatzgebiete erkannt und erprobt. Wichtig für den Einsatz eines Tieres ist die Erkenntnis, dass nicht jedes Tier zu jedem Menschen passt und dass Tiere nicht bei jedem Menschen auf gleiche Weise wirken und auch nicht jeder Mensch Tiere mag. Dies macht es nötig, individuell zu entscheiden, welches Tier bei welchem Menschen zum Einsatz kommt; nur so kann eine helfende bzw. heilende Beziehung zwischen ihnen aufgebaut werden. Diese Aspekte müssen in der Vorbereitung auf den Einsatz Tiergestützter Pädagogik und Therapie berücksichtigt werden.